Oder: Wie lügen wir uns einen Rechner wieder ganz?

Die Sache beginnt kurz nach Weihnachten 2005: Der alte PC meines Vaters hat spontan den Geist aufgegeben, und da ich auch keine Ersatzteile für eine Reparatur da habe, muss ein neuer her. Da die Steuererklärung bis zum neuen Jahr erledigt sein soll, fahren wir schnell zum örtlichen Computerladen und kaufen einen Komplett-PC von Acer (Modell T135i, mit Sempron 3000, 512MB RAM und 120GB Festplatte). Sicher war meine Meinung von Komplett-PCs noch nie die beste, aber zum Texte in Word schreiben und für ein bisschen eMailen und Surfen wird’s wohl schon reichen.

In den folgenden Monaten stellte sich dann heraus, dass der PC wohl doch nicht ganz reicht. Abgesehen von der Tatsache, dass er in puncto Geschwindigkeit von meinem Celeron M-LapTop abgehängt wird, stellen vor allem die immer häufiger auftretenden Abstürze von Word und verschiedenen Internet-Browsern ein massives Problem dar. Bei letzteren lassen sich – unabhängig von verwendetem Browser und der Browserversion – die Abstürze mit bestimmten Webseiten gezielt provozieren (so führte z.B. das Aufrufen von http://lenggries.de/winter.htm zu einem sicheren Einfrieren des PCs), wobei dem Computer manchmal noch die Meldung, der Grafiktreiber „befinde sich in einer Endlosschleife“ zu entlocken ist.

Nachdem sich dieses Problem über einige Monate hin zog, beschloss ich dann, Windows XP neu zu installieren. Da die vorinstallierte Version von Windows (wie immer) mit tausenden Programmen zugemüllt war, entschied ich mich im Dezember 2006 (also noch bevor der PC ein Jahr alt war) dazu, eine saubere Installation von einer normalen Windows XP-CD zu machen, und mir die nötigen Treiber für den Computer einfach von der Acer-Homepage runterzuladen. Dies war, wie sich später herausstellte, ein großer Fehler.

Die Neuinstallation half gar nichts. Die Abstürze waren wie gewohnt vorhanden und beliebig reproduzierbar. Also brachten wir den PC zum Händler, welcher ihn dann zur Reparatur an Acer einschicken wollte. Und hier beginnt nun die eigentliche Story:

Anfang Januar kam der PC zurück zum Händler, versehen mit dem folgenden Kommentar (wortwörtlich):

Angegebener Fehler nicht nachvollziehbar! Kein Hardwarefehler feststellbar-KEIN Garantieanspruch!EINMALIGE KULANZ! -2std. fehlerfreier Probelauf -ca 15 fehlerfreie Neustarts durchgef

Kein wirklich befriedigendes Ergebnis. Habe dann zu Hause den PC getestet: Alle Fehler waren noch da, direkt nach einem Systemstart reproduzierbar. Also habe ich eine knapp einseitige detailierte Fehlerbeschreibung erstellt und mit dem PC zusammen beim Händler abgegeben. Gut zwei Wochen später war der PC wieder da:

Betriebssystem nicht von acer –> Kein Hardwarefehler-KEINE Garantie!Acerbetriebssystem vom Anwender zerst,–> dieses gerät wird nun zum 2ten mal ohne hardwarefehler eingesandt!–>LETZTMALIGE KULANZ!–>installieren sie bitte ihre software korrekt –> recovern sie bitte mit dem von acer gelieferten betriebssystem!hinweis: nochmalige Einsendung aufgrund zerstr Software oder Konfigurationsfehler ist kostenpflichtig–>ein kva wird erstellt!

Oha! Was will uns dieser leicht gebrochen deutsche Text mitteilen? Das Betriebssystem ist nicht das von Acer vorinstallierte, daher (!!!) liegt kein Hardwarefehler vor. Können also nur Computer mit Acer-System Hardwarefehler haben? Vielleicht hätte man dann besser sofort nach Kauf ein anderes System installieren sollen, und sich so viel Ärger ersparen können… aber zurück zum Thema:

In meinen Augen spricht gerade die Tatsache, dass der Fehler auch auf einem nicht-Acer-System auftritt dafür, dass doch ein Hardware-Defekt vorliegt. Überdies liefert Acer bei dem Computer nicht einmal eine Recovery-CD mit, und der angeblich beim ersten Systemstart erscheinenden Aufforderung, eine solche CD vom System auf der Festplatte zu erstellen, bin ich damals wohl nicht nachgekommen. An eine solche Recovery-CD zu kommen, gestaltet sich überdies auch nicht sehr einfach – will Acer dafür doch laut Auskunft unseres Händlers stolze 50,- Euro haben.

Der wahre Hammer kam aber erst noch: Als ich den PC zu Hause wieder ausgepackt habe, musste ich feststellen, dass der PC sich nicht mehr anschalten ließ. Nach Betätigen des Ein-Aus-Schalters hörte man lediglich ein leises Surren aus dem Netzteil, ansonsten rührte sich aber nichts.

Nach einer kurzen Vorführung des Gerätes bei meinem Händler (damit ich einen Zeugen hatte und nicht im Nachhinein für verrückt erklärt würde) ging der PC wieder zurück zu Acer (es war mittlerweile Ende Januar und mein Vater seit 4 Wochen ohne Computer). Mein Händler, mittlerweile auch nicht mehr wirklich gut auf Acer zu sprechen, hat dort wohl mal angerufen und versucht, eine Gutschrift oder ein Ersatzgerät herauszuholen, aber ohne Erfolg.

Anfang/Mitte Februar kam der PC von Acer zurück. Ich erhielt einen Anruf von meinem Händler, dass der PC bei Ihm sei, aber immernoch nicht laufe – er ließ sich nachwievor nicht einschalten. Acer hatte aber (angeblich) die folgenden Arbeiten durchgeführt:

Rework,

Kontaktunterbrechung behoben, 1h Testlauf

Nun ja, wieder zurück mit dem Teil.

Anfang März dann folgende Nachricht von Acer: Der PC sei einwandfrei in Ordnung, kein Fehler festzustellen. Jetzt der Clou:

Folgende Optionen stünden uns (bzw. meinem Händler) zur Verfügung:

  • Den PC unrepariert zurückschicken, 25,- Euro
  • Den PC reparieren, 67,- Euro

Sind die Leute bei Acer eigentlich noch ganz bei Trost? Erst erklären Sie einen Rechner, der sich nicht einschalten lässt, für völlig in Ordnung, dann bieten sie aber an, ihn für 67,- Euro zu reparieren? Eine solche Logik entzieht sich mir leider…

Wir ließen den PC dann unrepariert zurückkommen (die 25,- hat wohl mein Händler übernommen) und siehe da, auf einmal ging er wieder an. Da mein Händler in der Zwischenzeit doch noch irgendwo ein Recovery-System für den PC aufgetrieben hatte, installierten wir es kurzerhand gleich, um uns für alle Eventualitäten der Zukunft abzusichern.

Die Abstürze beim Surfen waren übrigens wie von Zauberhand auch verschwunden, und einen Tag lang schien der Computer eine Art Wunderheilung durchlaufen zu haben, bis dann auf einmal Word 5 mal an einem Abend abstürzte. Ab da war der PC wieder nicht zu gebrauchen, die Abstürze (diesmal allerdings nicht der Webbrowser, sondern Word) häuften sich.

Da ich auf die Garantie ohnehin nichts mehr gebe, habe ich jetzt beschlossen, durch Austauschen der einzelnen Komponenten die defekte Hardware selber ausfindig zu machen. Neuer RAM und eine andere Grafikkarte müssten heute eintreffen…

Was bleibt, ist die Gewissheit, nie mehr im Leben etwas von Acer zu kaufen, und auch allen Bekannten und Verwandten dringendst davon abzuraten. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass der ein oder andere Computerkäufer, der mit einem Gerät aus dem Hause Acer liebäugelt beim googlen über diese Seite stolpert, und vielleicht doch eine andere Marke wählt (empfehlen kann ich aus eigener Erfahrung z.B. Notebooks von ASUS, die auch schon sehr günstig zu bekommen sind).

.

.

Update: Nach dem Einsetzen einer neuen Grafikkarte (GeForce 5200 für 30,- Euro) scheint alles einwandfrei zu laufen… warten wir ab, ob es dabei bleibt.

Von Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.