Schule

Schullandheim

Wartaweil2014-12

Oh wie schrecklich ist es mit gut 60 Fünftklässlern im Schullandheim…

Wartaweil2014-20

… nicht. Klar, nach knapp einer Woche ist man schon etwas abgekämpft, aber es macht auch jede Menge Spaß mit den „Kleinen“! Bis auf ein paar schlimme Fälle von Heimweh ist auch nichts dramatisches passiert, ganz im Gegenteil, die Damen und Herren waren sogar äußerst brav. Spontan einstudierte Breakdance-Nummern, ausgefeilte Choreografien und selbstgeschriebene Sketche, die jeden Abend zur Auführung kamen, rundeten den großartigen Gesamteindruck ab. Ich komme gerne wieder mit.

Das sagt doch gar nichts…

Die Situation für das Referendariat beendende Junglehrer in Bayern ist nicht gerade rosig, um nicht zu sagen hundsmiserabel, das lässt sich in diversen Medien nachlesen. Die Chance auf eine Anstellung steht in Bayern (und vermutlich in den meisten anderen Bundesländern) in direktem Bezug zur erreichten Endnote, welche sich zu je 50 Prozent aus den Ergebnissen des ersten und des zweiten Staatsexamens zusammensetzt. Diese Praxis wird im Zuge der schlechten Einstellungssituation immer wieder (insbesondere von den fertigen Referendaren) als wenig aussagekräftig kritisiert. So könne man aus der erreichten Endnote nicht ableiten, ob jemand ein besserer oder ein schlechterer Lehrer sei.

Wie setzt sich diese Endnote nun denn zusammen?* Das erste Staatsexamen, welches an der Uni abgelegt wird, soll den „fachwissenschaftlichen Teil“ abdecken. In Deutsch muss man dafür beispielsweise Prüfungen in den Gebieten Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Didaktik des Deutschen ablegen. In Englisch geht es um englische Literatur, um englische Sprachwissenschaft, um Grammatik, Sprachbeherrschung (mündlich wie schriftlich) und so weiter. Hierbei handelt es sich – zumindest bei den schriftlichen Prüfungen – um zentral gestellte Aufgaben, man weiß also vorher nicht, was genau drankommen wird. Damit gehört aber auch ein gewisses Maß an Glück dazu, ob man das Richtige gelernt hat, oder ob in der Klausur nach einem blinden Fleck im eigenen Wissen gefragt wird, denn (fast?) niemand weiß alles im jeweiligen Fachgebiet. Zusätzlich kommen noch Prüfungen in Psychologie, allgemeiner und Schulpädagogik, für die ähnliches gilt. Für diesen Teil der Lehrerausbildung würde ich die Aussage, dass man von den Noten nicht auf die Unterrichtskompetenz schließen kann, unterschreiben.

Im zweiten Staatsexamen geht es nun explizit um die Fähigkeit zu unterrichten, Stoff zu vermitteln und pädagogisch zu arbeiten. Das zweite Staatsexamen legt man an der Seminarschule ab, an welcher man als Referendar arbeitet. Es setzt sich zusammen aus drei Lehrproben (von denen man eine an einer Einsatzschule hält, zu der aber die Seminarlehrer anreisen), einem Kolloquium in Pädagogik und Psychologie sowie mündlichen Prüfungen in den beiden Unterrichtsfächern (hier geht es primär um didaktische Fragestellungen), in Schulkunde / Schulrecht und in einem Fach namens Grundfragen staatsbürgerlicher Bildung, also einer Art Sozialkunde und Politikwissenschaft, schließlich sollte man als angehender Beamter wissen, wer den Bundeskanzler wählt. Dazu kommen noch die Noten einer schriftlichen Hausarbeit über eine Unterrichtssequenz sowie die dreier Beurteilungen durch die Seminarlehrer, in welchen diese die Unterrichtskompetenz, die Erzieherische Kompetenz und die Handlungs- und Sachkompetenz bewerten. Letztere stützen sich dabei (idealerweise) auf mehrere über das gesamte Referendariat verteilte Unterrichtsbesuche der Seminarlehrer sowie Beurteilungen von Betreuungslehrern.

Nun werden diesem Bewertungsmodus in der Regel zwei Vorwürfe gemacht:
1. Lehrproben sind eine totale Ausnahmesituation und haben nichts mit normalem „Alltagsunterricht“ zu tun.
2. Die Beurteilungen der Seminarlehrer sind äußerst subjektiv, teilweise nicht nachvollziehbar und hauptsächlich auf Sympathie begründet.

Zu 1.: Ja, Lehrproben sind Ausnahmesituationen. Man bereitet sich zwei oder sogar drei Wochen auf eine einzelne Stunde vor, stopft (oftmals zu) viel Material hinein und die Schüler sind darüber hinaus aufgrund der anwesenden Prüfungskommission inkl. des Schulleiters viel braver als sonst. Alles richtig. Aber: Wie will man denn den Unterricht sonst bewerten? Wenn die Seminarlehrer ausschließlich unangekündigt den Unterricht besuchen würden, wäre es doch möglich, dass sie ausgerechnet die Stunden erwischen, in denen der Referendar einmal nicht ordentlich vorbereitet ist. Außerdem soll die Anwesenheit von mehreren Prüfern (zwei Seminarlehrer, Schulleiter und ggf. Betreuungslehrer) ja für eine größere Objektivität sorgen. Weiterhin soll man durch die intensive Vorbereitung und Erstellung eines schriftlichen Stundenentwurfs darlegen, dass man sich Gedanken zur Strukturierung der Stunde gemacht hat. Und letztendlich ist jede Prüfung eine Ausnahmesituation, egal ob es eine Lehrprobe, eine Klausur oder eine mündliche Prüfung ist. Das liegt in der Natur der Sache. Und wer es bis zum zweiten Staatsexamen geschafft hat, sollte seine Prüfungsangst und Nervosität soweit im Griff haben, dass diese ihn nicht vollkommen aus der Bahn wirft.

Zu 2.: Beurteilungen durch Prüfer sind subjektiv. Richtig. Das ist ein Problem, welches sich von der Grundschule über das Gymnasium bis in die Uni zieht. Wenn man mit dem Lehrer oder dem Professor „gut kann“, hat man einen Vorteil, wenn das Verhältnis von gegenseitiger Abneigung gepägt ist, wird’s schwierig. Das ist leider so. Im besten Fall ist sich der Prüfer darüber bewusst, dass die persönliche Beziehung zu einer Beeinflussung der Note führen kann und versucht diese soweit es ihm möglich ist zu vermeiden. Im schlimmsten Fall ist er sich dieser Tatsache bewusst und nutzt sie aus (zum Nachteil des Prüflings). Diese Gefahr soll dadurch vermindert werden, dass die Beurteilungen von beiden Seminarlehrern gemeinsam geschrieben werden und vom Seminarvorstand abgesegnet werden müssen. Hier kann also durch die übrigen Beteiligten korrigierend eingegriffen werden. Gleiches gilt für die mündlichen Prüfungen, in denen stets zwei Prüfer anwesend sind. Gänzlich ausgeschaltet kann dieses Problem allerdings nicht werden, zumindest nicht, solange es „mündliche“ Noten und menschliche Prüfer gibt. Interessanterweise beschweren sich die wenigsten Referndare darüber, dass z.B. die Unterrichtsbeitragsnoten, die sie selber machen, subjektiv und ungerecht wären. Immerhin stellen die Unterrichtsbesuche der Seminarlehrer ein Gegengewicht zu den Lehrproben dar, so dass die Fähigkeit zu unterrichten nicht ausschließlich aufgrund dieser o.g. „Ausnahmesituationen“ beurteilt wird.

Insgesamt würde ich daher schon sagen, dass das zweite Staatsexamen zwar einige Schwachpunkte in der Bewertung aufweist, dennoch aber einigermaßen Aufschluss darüber geben kann, wie gut jemand als Lehrer ist. Weiterhin stellt sich die Frage, wie man Referendare denn sonst beurteilen möchte. Wenn Lehrproben mit mehreren Prüfern zu „besonders“ sind und die Beurteilungen aus Unterrichtsbesuchen der Seminarlehrer zu subjektiv, was will man tun, um zu ermitteln, wie jemand unterrichtet? Die Schüler befragen? Das wäre wenig sinnvoll, würde es doch nur dazu führe, dass sich die Referendare bei diesen anbiedern, um möglichst gut evaluiert zu werden. Die Kollegen fragen? Die Beurteilungen der Betreuungslehrer fließen ja schon in die Gutachten mit ein. Ich sehe daher derzeit keine revolutionär andere und bessere Methode zur Beuteilung.

Als größter Kritikpunkt bleibt vielleicht noch festzuhalten, dass die Bewertungen zwischen den einzelnen Seminarschulen recht unterschiedlich ausfallen können, aber auch hier bleibt nur zu sagen: Das ist davor auch schon so: Je nachdem, welchen Prüfer oder Korrektor ich im Abitur oder an der Uni erwische, können die Noten bei gleicher Leistung sehr stark divergieren. Abhilfe ließe sich hier nur durch standartisierte, schriftliche Tests schaffen, welche dann aber noch weniger über die Unterrichtskompetenz aussagen würden.

* Ich beziehe mich hier auf die Prüfungen nach der „alten“ LPO.

Das Ende einer langen Reise

Irgendwann, bevor diese Seite hier zu einem (fast) reinen Fotografie-Blog wurde, war dies mein privates Blog. Und irgendwann in dieser Zeit schrieb ich auch einmal über Prüfungen: Magister-Prüfung, erstes Staatsexamen, Abschlussarbeit. Darauf folgte, hier quasi unverwähnt, das Referendariat.

Zwei Jahre, die von sehr vielen Menschen als wahnsinnig harte und anstrengende Zeit voller Entbehrungen, Erniedrigungen und Enttäuschungen beschrieben werden. Bei mir war dies nicht so. Ich hatte zwei Jahre, die zwar streckenweise stressig und fordernd waren, die mir aber – menschlich wie „professionell“ – wahnsinnig viel gebracht haben. Ich habe meinen absoluten Traumberuf gefunden (der mir sogar mehr Spaß macht als die Fotografie), habe eine ganze Reihe fantastischer Menschen kennengelernt, die ich nie mehr missen möchte, ich habe von großartigen Vorbildern lernen dürfen und auch gesehen, wie man den Beruf nicht unbedingt ausüben sollte (und vor allem gelernt, warum das so ist), und ich habe unzählige Schüler kennengelernt, die ich zum großen Teil sicher nie wieder sehen werde, die ich aber gewiss nicht vergessen werde. Ich war auf zig Wandertagen, durfte mit 130 Achtklässlern nach England fahren und London im Regen ansehen, ich habe Schulaufgaben korrigiert und Protokolle geschrieben, mich durch Lehrproben geschwitzt und in mündlichen Prüfungen gesessen, mit tollen Kollegen gearbeitet, gezittert und gefeiert und besorgten Eltern Mut zugesprochen. Ich habe unsäglich zähe Konferenzen durchlitten und höchst unterhaltsame Fachsitzungen erlebt, habe in zwei Jahren an zwei Schulen drei Schulleiter und ebensoviele Stellvertreter mitbekommen, habe erfahren, wie man mit Menschen umgeht, ihnen Selbstvertrauen gibt und Wertschätzung vermittelt – und wie man all dies zerstören kann, kurzum: Mein Horizont hat sich in jeder nur erdenklichen Hinsicht erweitert, sowohl was Freude als auch was Leid angeht, was positive wie negative Erfahrungen betrifft (wobei die positiven bei WEITEM überwiegen) und ich habe  zum ersten – nein, zweiten – Mal im Leben das Gefüh gehabt, irgendwo richtig angekommen zu sein. Ich möchte diese zwei Jahre um kein Geld der Welt vermissen, sie waren bereichernd, belebend und über alle Maßen beeindruckend.

Und dann kam ein Freitag im Januar diesen Jahres, als ich – und mit mir mein ganzes Seminar – erfuhr, dass es für 19 von 21 Seminarteilnehmern keine (feste) Stelle geben wird. Und trotz aller vorher geäußerten Skepsis, allem Vorbereitet-sein und allen Beschwichtigungsversuchen gegenüber den Hoffnungen von Freunden und Verwandten, war die Enttäuschung riesengroß, und nicht nur ich hatte wohl das Gefühl, in ein großes, schwarzes Loch zu fallen.

Immerhin hat dann jeder von uns irgendetwas, in der Regel auf ein halbes Jahr befristetes, gefunden. Dass die Bezahlung deutlich schlechter als bei fest angestellten Beamten war und auch die Ferien zum Teil nicht mitbezahlt wurden, sei hier nur am Rande erwähnt. Bei mir war es eine Tätigkeit an meiner ehemaligen Einsatzschule, wo ich neben acht Stunden Unterricht jede Menge Vertretungsstunden halten durfte und einen „Auszeitraum“, also eine Abstellkammer für störende Schüler, betreut habe. Ein knappes halbes Jahr mit viel, sehr viel Zeit (um nicht zu sagen Langeweile) und der immer dräuenderen Ungewissheit, was denn nach dem Sommer sein würde.

Und dann, einen Tag vor meinem Geburtstag, die Erlösung: Ein Angebot für eine Planstelle (d.h. eine feste, unbefristete Stelle als Beamter, zunächst auf Probe, später dann hoffentlich auf Lebenszeit) an einer Münchner Schule. Und nicht nur irgendeiner Schule, sondern einer der neusten und modernsten Schulen Bayerns, mit neuartigem Raum- und Unterrichtskonzept und einer fantastischen technischen Ausstattung. Ich hätte nicht glücklicher sein können und bin es immer noch.

Und damit endet in meinen Augen erst die Reise, die vor über 10 Jahren mit dem Abitur begann: Eine Reise durch drei Studiengänge (von denen nur zwei beendet wurden, über die Juristerei breiten wir einmal den Mantel des Schweigens), in denen ich selbst lange nicht wusste, was ich denn eigentlich mal genau machen wollen würde, und deren Ziel erst ganz am Ende klar wurde, nämlich in den oben geschilderten letzten zwei Jahren. Und ich könnte nicht froher sein über den Ausgang dieser doch sehr langen und mitunter ungewissen Reise, in deren Verlauf sich so viel ereignet hat.

In diesem Sinne: Möge die nächste Reise mindestens so gut enden wie die letzte, und mögen die Erfahrungen, die ich in der Zukunft machen werde, genauso schön und bereichernd sein wie die der jüngeren Vergangenheit.

Die Leidenden der letzten Tage

Das Schuljahr geht zur Neige, und bei Lehrern und Schülern ist ein allmähliches Ermatten festzustellen. Dabei müsste das gar nicht unbedingt sein. Aber schauen wir uns zuerst mal an, wie die letzten Tage und Wochen vor den Sommerferien bei mir an der Schule organisiert sind (rückwärts von den Ferien ausgehend):

29.7.     Letzter Schultag, Gottesdienst, Zeugnisausgabe
28.7.     „Regulärer“ Unterricht nach Kurzstundenplan, Nachmittagsunterricht entfällt

25.7.    Spendenlauf (kein Unterricht)
24.7.    Sportfest (kein Unterricht)
23.7.     Regulärer Unterricht
22.7.    Regulärer Unterricht
21.7.    Wandertag

18.7.    Projekttag
17.7.    Projekttag
16.7.    Projekttag
15.7.    Regulärer Unterricht nach Kurzstundenplan, kein Nachmittag (Konferenz)
14.7.    Regulärer Unterricht nach Kurzstundenplan, kein Nachmittag (Konferenzen)

In den letzten knapp zweieinhalb Wochen Schule finden also ganze zwei Tage voller Unterricht statt und drei Tage mit Kurzstunden ohne Nachmittag (Kurzstunde: 30 statt 45 Minuten mit verkürzten Pausen, de facto ist da kaum Unterricht möglich, weil eh alle ständig zu spät sind). Wie soll man nun z.B. am 22.7. Schüler zu Unterricht oder zumindest einer halbwegs sinnvollen Tätigkeit motivieren, wenn diese gerade vier Tage Anderes gemacht haben und völlig aus jedem Rhythmus raus sind? Vom gänzlich isoliert stehenden vorletzten Schultag ganz zu schweigen! Mehr als frühstücken und Filme ansehen ist da nun wirklich nicht drin.

Den Schülern kann man es an den Unterrichts-Tagen übrigens auch nicht Recht machen: Hält man mehr oder weniger ordentlichen Unterricht ab, beschweren sie sich darüber, dass man kurz vor Schluss noch so viel von ihnen verlangt (und beim Herrn Sowieso haben wir doch auch einen Film geschaut!), läuft man zur Film- und Frühstücksfraktion über, fragen sich die jungen Damen und Herren (zu Recht!), wieso sie für den albernen Kram – mitunter vier Filme am Tag – überhaupt in die Schule kommen sollen. Sie hätten ja wirklich besseres zu tun. Und das kann ich ihnen auch wirklich nicht verübeln.

Mir stellt sich da die Frage, warum man nicht alle „echten“ Unterrichtstage nach vorne zieht und dann – etwas konzentrierter – die übrigen Aktivitäten en bloc in die letzte ganze Woche vor den Ferien legt. Da hätte man dann auch genug Zeit, nachmittags die Konferenzen abzuhalten und müsste so nicht schon bereits Anfang Juli, also geschlagene dreieinhalb Wochen vor den Zeugnissen, den Notenschluss setzen. Diese „nicht-unterrichtlichen“ Geschichten (Sport, Projekte, etc.) haben ja durchaus ihre Daseinsberechtigung. Würde man sie so vom restlichen Unterricht „entkoppeln“, wäre es auch duchaus möglich, dass sich die Schüler noch mehr darauf einlassen, da sie den Kopf vom normalen Stoff frei haben.

Dann am Ende ein Tag mit Zeugnisvergabe und ab in die Ferien.